Brauche ich als kleiner Betrieb noch eine eigene Website?
Von Leon, Gründer von LokalwendeAktualisiert am 6 Min. Lesezeit
Die kurze Antwort
Für die meisten kleinen Betriebe ja. Das Google-Profil bringt dich auf die Karte, aber erst die eigene Website beantwortet die Fragen vor dem Anruf: Was genau bietest du an, was kostet es ungefähr, wer steckt dahinter. Und sie gehört dir, anders als Profile bei Instagram oder Portalen. Wer voll ausgelastet ist und niemanden sucht, kommt mit einem gepflegten Google-Profil eine Weile aus.
„Ich hab doch Google Maps. Und Instagram. Wozu noch eine Website?“ Diese Frage höre ich von Friseurinnen, Handwerksmeistern und Wirten fast wöchentlich. Und sie ist berechtigt. Vor zehn Jahren war die Website die einzige Visitenkarte im Netz. Heute gibt es Profile, Portale und soziale Netzwerke, die kostenlos sind und oft mehr Besucher haben.
Ich baue selbst Websites, das sage ich gleich dazu. Trotzdem bekommst du hier eine ehrliche Antwort, auch mit den Fällen, in denen du keine brauchst.
Was bringt eine eigene Website, wenn ich ein Google-Profil habe?
Dein Google-Unternehmensprofil ist das Wichtigste, was du online hast. Dort sehen Menschen, dass es dich gibt, wo du bist und wann du geöffnet hast. Wenn du es noch nicht gepflegt hast, fang dort an: Google-Unternehmensprofil optimieren.
Aber das Profil beantwortet nur die erste Frage: „Gibt es so etwas in meiner Nähe?“ Bevor jemand anruft oder vorbeikommt, hat er meist noch mehr Fragen:
- Macht ihr genau das, was ich brauche? Eine Wallbox, eine Balayage-Färbung, ein Mittagstisch für zwölf Leute.
- Was kostet das ungefähr? Nicht auf den Cent, aber ob es 50 oder 500 € sind.
- Wer steckt dahinter? Ein Gesicht, ein Team, ein Betrieb, der Vertrauen macht.
- Ist bei euch alles aktuell? Ein Profil mit alten Fotos und keine Website wirkt schnell wie ein Betrieb, bei dem wenig passiert.
Für all das ist im Google-Profil kaum Platz. Auf deiner Website schon. Sie ist der Ort, an dem aus „Könnte passen“ ein „Da ruf ich an“ wird.
Reichen Instagram und Facebook nicht?
Als Ergänzung sind sie super, vor allem für Betriebe, die viel zeigen können: Frisuren, Gerichte, fertige Bäder. Als Ersatz für eine Website taugen sie aber nicht, aus drei Gründen:
- Es gehört dir nicht. Ändert die Plattform ihre Regeln oder sperrt dein Konto, ist alles weg, was du aufgebaut hast. Deine Website und deine Domain gehören dir.
- Nicht jeder hat ein Konto. Ohne Anmeldung sieht man dort oft nur einen Teil oder wird ständig zum Anmelden aufgefordert. Gerade ältere Kunden geben dann auf.
- Gefunden wirst du woanders. Wer „Friseur in der Nähe“ oder „Dach undicht“ sucht, landet bei Google, nicht bei Instagram. Und dort erscheinen vor allem Unternehmensprofile und Websites.
Was ist mit Branchenportalen wie Treatwell, Doctolib oder MyHammer?
Portale bringen dir Anfragen, und das ist gut. Aber dort stehst du direkt neben deiner Konkurrenz, oft sortiert nach Preis. Und je nach Portal zahlst du Provision oder Gebühren pro Anfrage.
Die eigene Website ist der Ort, an dem nur du zu sehen bist. Viele Betriebe nutzen beides: Das Buchungs- oder Terminsystem des Portals wird auf der eigenen Website eingebunden, so bleibt der Kunde bei dir und bucht trotzdem bequem online.
Wann brauchst du wirklich keine Website?
Das gibt es. Ehrlich gesagt kenne ich ein paar Betriebe, denen ich keine Website verkaufen würde:
- Du bist auf Monate ausgebucht und hast eine feste Stammkundschaft, die dich ohnehin anruft.
- Du suchst niemanden: keinen Mitarbeiter, keinen Azubi, keine Nachfolge.
- Du hörst in absehbarer Zeit auf und willst keine neuen Kunden mehr gewinnen.
Dann reicht ein gepflegtes Google-Profil mit aktuellen Öffnungszeiten. Aber sei ehrlich zu dir: Stammkunden ziehen weg, Mitarbeiter gehen in Rente, und die Nachfolge sucht spätestens in ein paar Jahren nach dir. Eine Website aufzubauen, wenn es brennt, ist deutlich stressiger als vorher.
Was muss mindestens auf die Website?
Weniger, als viele denken. Eine gute Website für einen kleinen Betrieb braucht keine zwanzig Unterseiten. Diese Dinge sollten drauf sein:
- Was du anbietest, in den Worten deiner Kunden, nicht in Fachbegriffen
- Wo und wann du erreichbar bist, mit Link zur Karte
- Telefon und Mail, auf dem Handy mit einem Tippen erreichbar
- Echte Fotos von dir, deinem Team, deinem Laden oder deiner Arbeit
- Impressum und Datenschutzerklärung, die sind Pflicht
Alles Weitere hängt von deinem Betrieb ab. Welche Inhalte in deiner Branche gut ankommen, habe ich für über 40 Branchen zusammengestellt.
Was Kunden in deiner Branche auf der Website suchen
- Gastronomie & BäckereiDie Speisekarte als echter Text, nicht als unlesbares Foto. Dazu Öffnungszeiten, Ruhetage und ein Weg zur Reservierung.
- HandwerkLeistungen, Einsatzgebiet und Fotos von fertigen Arbeiten. Und für Bewerber ein Bereich „Wir suchen dich“.
- Beauty & FitnessLeistungen mit Preisen, ein Knopf zur Online-Buchung und Fotos von echten Ergebnissen.
- GesundheitSprechzeiten, Schwerpunkte, das Team und wie man neue Termine bekommt. Dazu Hinweise zu Parken und Barrierefreiheit.
Was kostet eine Website und wie viel Zeit braucht sie?
Das hängt davon ab, welchen Weg du gehst: Agentur, Baukasten oder Website-Abo. Die ehrlichen Zahlen dazu stehen in Was kostet eine Website für einen kleinen Betrieb?.
Wichtiger als der Preis ist oft die Zeit. Eine Website, die du nach dem Start nie wieder anfasst, veraltet. Plane deshalb von Anfang an ein, wer Öffnungszeiten, Urlaube und neue Fotos einpflegt. Wenn die Antwort „ich, abends“ lautet, sei ehrlich zu dir, ob das klappt.
