Website-Anbieter wechseln: So nimmst du Domain, Mails und Inhalte mit
Von Leon Düring, Gründer von LokalwendeVeröffentlicht am 7 Min. Lesezeit
Die kurze Antwort
Domain, E-Mail-Adressen, Texte und Fotos kannst du mitnehmen, das Design eines Baukastens meist nicht. Prüf zuerst, ob die Domain auf dich registriert ist, und sichere deine Postfächer. Lass die neue Website fertig bauen, zieh die Domain mit dem Auth-Code um und kündige erst danach, ohne die Domain zur Löschung freizugeben.
Der Baukasten frisst jeden Sonntag, die Agentur meldet sich nicht mehr, oder der Aktionspreis ist ausgelaufen und die Rechnung hat sich verdoppelt. Gründe für einen Wechsel gibt es viele. Was die meisten davon abhält, ist die Sorge: „Dann ist meine Adresse weg, und meine Mails kommen nicht mehr an.“
Die gute Nachricht: Wenn du in der richtigen Reihenfolge vorgehst, merken deine Kunden vom Wechsel nichts. Hier steht, was du mitnehmen kannst, was nicht, und wie der Umzug ohne Ausfall klappt.
Wann lohnt sich ein Wechsel?
Nicht jeder Ärger ist ein Grund zu wechseln. Oft reicht ein klärendes Gespräch. Ein Wechsel lohnt sich aber, wenn eins davon zutrifft:
- Der Baukasten kostet dich zu viel Zeit. Wix, Jimdo, IONOS MyWebsite oder der Strato-Baukasten sind für Leute gemacht, die gern basteln. Wenn du seit Monaten „mal die Öffnungszeiten ändern“ willst und es nicht schaffst, ist das kein persönliches Versagen, sondern der falsche Weg für dich.
- Der Preis ist nach dem ersten Jahr gestiegen. Viele Anbieter locken mit einem Aktionspreis im ersten Vertragsjahr und verlangen danach den regulären Tarif. Rechne mit dem Preis ab dem zweiten Jahr.
- Änderungen dauern Wochen oder kosten jedes Mal extra. Eine Website, die nicht aktuell ist, schadet mehr als sie nützt.
- Die Seite ist auf dem Handy schlecht bedienbar oder sieht aus wie vor zehn Jahren, und niemand will das ändern.
Was kannst du mitnehmen und was nicht?
| Was | Mitnehmen? | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Domain (dein-betrieb.de) | Ja | Sie muss auf dich registriert sein. Dann bekommst du einen Umzugscode. |
| E-Mail-Adressen | Ja | Die Adressen hängen an der Domain. Die Postfächer musst du aber sichern und neu einrichten. |
| Texte und Fotos | Ja | Kopieren und herunterladen. Was du geschrieben und fotografiert hast, gehört dir. |
| Design und Aufbau | Meist nein | Baukasten-Seiten laufen nur beim jeweiligen Anbieter, einen Export, den ein anderes System einlesen kann, gibt es dort praktisch nicht. Bei einer Agentur hängt es vom Vertrag ab. |
| Google-Unternehmensprofil | Bleibt sowieso | Es ist unabhängig von deiner Website. Du änderst höchstens den Website-Link. |
Am wertvollsten ist die Domain. Unter ihr finden dich Kunden, Google kennt sie, und deine Mailadresse steht auf Rechnungen, Visitenkarten und dem Firmenwagen. Alles andere lässt sich neu bauen.
Wem gehört deine Domain?
Das solltest du als Erstes klären, am besten bevor du kündigst. Im Kundenbereich deines Anbieters steht meist, wer als Inhaber eingetragen ist. Öffentlich nachschauen kannst du das bei .de-Domains nicht mehr: Die DENIC, die .de-Domains verwaltet, zeigt Inhaberdaten seit 2018 aus Datenschutzgründen nicht mehr an.
- Steht dein Name oder dein Betrieb drin: gut. Dann kannst du die Domain zu jedem Anbieter umziehen.
- Steht dort die Agentur oder der Anbieter: Bitte schriftlich um Übertragung auf dich. Hat der Anbieter die Domain für dich und deinen Betrieb registriert, hast du gute Argumente. Wenn er sich querstellt, ist das ein Fall für eine Anwältin oder einen Anwalt.
In welcher Reihenfolge wechselst du ohne Ausfall?
Die häufigsten Pannen entstehen, weil zuerst gekündigt und dann überlegt wird. So geht es in der richtigen Reihenfolge:
- Bestandsaufnahme: Laufzeit und Kündigungsfrist im alten Vertrag nachsehen. Und klären, wo deine E-Mails laufen: beim Website-Anbieter oder woanders, etwa bei Google oder Microsoft.
- Inhalte sichern: Alle Texte in ein Dokument kopieren, Fotos in Originalgröße herunterladen, Impressum und Datenschutzerklärung als PDF speichern. Notier dir außerdem die Adressen der Unterseiten, die Kunden oft aufrufen, etwa /speisekarte oder /leistungen.
- Neue Website fertigstellen: Lass sie fertig bauen und schau sie dir an, bevor irgendetwas umgestellt wird. Die alte Seite bleibt bis dahin online.
- Postfächer vorbereiten: Laufen deine Mails beim alten Anbieter, richte sie beim neuen ein und sichere die alten Mails, zum Beispiel über dein Mailprogramm. Das ist der Schritt, der am häufigsten vergessen wird.
- Umzugscode anfordern: Beim alten Anbieter heißt er Auth-Code, AuthInfo oder EPP-Code. Den gibst du dem neuen Anbieter, der den Umzug startet. Bei .de-Domains ist das meist innerhalb eines Tages erledigt. Der Code ist bei .de höchstens 30 Tage gültig.
- Erst jetzt den alten Vertrag beenden, fristgerecht und schriftlich. Schreib ausdrücklich dazu, dass die Domain zu einem neuen Anbieter umzieht.
- Nach dem Umzug prüfen: Website auf dem Handy aufrufen, eine Testmail an dich selbst schicken, den Website-Link im Google-Profil kontrollieren.
Was ist bei Baukästen wie Wix, Jimdo, IONOS und Strato anders?
Beim Baukasten hängen Website, Domain und oft auch die Mails am selben Konto. Das macht den Wechsel nicht schwer, aber ein paar Besonderheiten gibt es:
- Kein Export der Seite: Design und Aufbau bleiben beim Anbieter. Texte und Bilder kopierst du von Hand, bei einer kleinen Website dauert das etwa eine Stunde.
- Sperrfrist bei internationalen Endungen: Domains wie .com oder .net lassen sich in den ersten 60 Tagen nach Registrierung oder einem Inhaberwechsel nicht umziehen. Das ist eine Regel der zuständigen Organisation ICANN, nicht des Anbieters. Für .de gilt sie nicht.
- Vertragslaufzeit beachten: Viele Tarife laufen über zwölf Monate und verlängern sich automatisch. Die Kündigungsfrist steht im Kundenbereich.
- Notlösung, wenn der Umzug noch nicht geht: Die Domain bleibt beim alten Anbieter, und nur die Verweise (DNS-Einträge) zeigen auf die neue Website. Das ist ein Zwischenschritt, kein Dauerzustand, denn dann zahlst du an zwei Stellen.
Verlierst du bei Google deine Position?
Wenn die Domain bleibt, behältst du das Wichtigste. Google kennt deine Adresse, Links von anderen Seiten zeigen weiter auf dich, und dein Google-Profil ist ohnehin unabhängig. Ein paar Tage Schwankung nach einer neuen Website sind normal.
Ärger machen vor allem alte Unterseiten, die plötzlich ins Leere führen. Wenn dich Kunden über einen Link wie dein-betrieb.de/speisekarte gefunden haben, frag deinen neuen Anbieter, ob er solche Adressen auf die passende Stelle der neuen Seite weiterleitet. Und wenn du schon dabei bist, dein Google-Profil aufzuräumen, hilft dir diese Checkliste.
Wenn du noch überlegst, ob ein Abo oder eine gekaufte Website besser zu dir passt: Website mieten oder kaufen?
