Website mieten oder kaufen? Was für kleine Betriebe besser passt
Von Leon Düring, Gründer von LokalwendeVeröffentlicht am 7 Min. Lesezeit
Die kurze Antwort
Mieten lohnt sich, wenn du keine große Summe auf einmal ausgeben und dich nicht um Technik kümmern willst. Kaufen lohnt sich bei besonderen Funktionen wie einem Online-Shop oder wenn jemand im Betrieb die Seite selbst pflegt. Entscheidend ist der Vertrag: kurze Kündigungsfrist, Domain auf deinen Namen und Vorsicht bei Leasing mit 36 oder 48 Monaten Laufzeit.
„Mieten klingt teuer auf Dauer, kaufen klingt nach viel Geld auf einmal. Was ist denn jetzt besser?“ Die Frage ist berechtigt, und die Antwort hängt weniger vom Monatspreis ab als vom Vertrag dahinter. Denn unter „Website mieten“ läuft alles Mögliche: faire Abos, die du monatlich beenden kannst, aber auch Verträge über vier Jahre, aus denen du kaum herauskommst.
Ich biete selbst eine Website zur Miete an, das sage ich gleich dazu. Hier steht trotzdem, wann sich Kaufen mehr lohnt und auf welche Klauseln du bei jedem Mietvertrag achten solltest, auch bei meinem.
Was ist der Unterschied zwischen Website mieten und kaufen?
- Kaufen: Eine Agentur oder ein Freelancer baut dir die Website, du zahlst einmal für die Erstellung. Hosting, Updates und Änderungen kommen extra dazu, als Wartungsvertrag oder nach Aufwand. Was dir danach gehört, regelt der Vertrag: meist die Nutzungsrechte an Design und Texten, manchmal auch der Quellcode.
- Mieten: Du zahlst einen festen Monatsbetrag. Erstellung, Hosting, Domain, technische Pflege und meist auch kleine Änderungen sind enthalten. Die Technik gehört dem Anbieter, du nutzt sie, solange der Vertrag läuft. Andere Namen dafür sind Website-Abo, Website-Flatrate oder „Website mit Rundum-Betreuung“.
- Leasen: Klingt wie Mieten, ist aber oft etwas anderes: ein langer Vertrag, häufig über eine Leasinggesellschaft finanziert. Dazu unten mehr, denn hier liegen die meisten Fallen.
Wann lohnt es sich, die Website zu kaufen?
Kaufen lohnt sich, wenn du etwas brauchst, das kein Mietmodell abdeckt, oder wenn du die Seite lange behalten und selbst pflegen willst:
- Besondere Funktionen: ein Online-Shop, ein eigenes Buchungssystem, ein Kundenbereich.
- Starke bestehende Marke: Das Design muss exakt zu deinem Logo, deinen Fahrzeugen und deinen Drucksachen passen.
- Jemand kümmert sich im Betrieb: Du hast eine Mitarbeiterin oder einen Sohn, die Updates und Änderungen zuverlässig übernehmen.
Rechne dabei ehrlich mit. Eine gekaufte Website braucht trotzdem Hosting, Sicherheitsupdates und ab und zu Änderungen. Und nach etwa fünf Jahren wirkt sie meist alt, dann steht der nächste Relaunch an. Wie sich die Kosten zusammensetzen, steht in Was kostet eine Website für einen kleinen Betrieb?.
Wann lohnt es sich, die Website zu mieten?
Mieten passt, wenn du eine gute Website willst, aber weder Zeit noch Lust auf Technik hast:
- Keine große Summe auf einmal: Das Geld bleibt im Betrieb, die Kosten sind jeden Monat gleich.
- Jemand anderes hält sie aktuell: Neue Öffnungszeiten, Urlaub, ein neues Foto gehen per Anruf oder Nachricht, ohne dass du dich irgendwo einloggen musst.
- Kein Relaunch-Schock: Bei einem guten Abo wird die Technik laufend erneuert, du musst nicht alle paar Jahre neu kaufen.
Der Nachteil: Du zahlst, solange du die Seite nutzt, und die Technik gehört dir nicht. Wenn du kündigst, ist die Website weg. Deshalb ist entscheidend, was mit Domain und Inhalten passiert (siehe unten).
Ab wann ist Kaufen günstiger als Mieten?
Das kannst du dir in zwei Minuten selbst ausrechnen. Teile den Kaufpreis durch den Unterschied der Monatskosten. Ein Beispiel mit runden Marktpreisen:
| Kaufen | Mieten | |
|---|---|---|
| Einmalig | 3.000 € | 0 € |
| Im Monat (Hosting, Wartung, Änderungen) | 30 € | 99 € |
| Nach 3 Jahren | 4.080 € | 3.564 € |
| Nach 5 Jahren | 4.800 € | 5.940 € |
In diesem Beispiel ist Kaufen nach rund dreieinhalb Jahren günstiger (3.000 € geteilt durch 69 € Unterschied ergibt etwa 43 Monate). Bei einem günstigeren Abo verschiebt sich der Punkt weit nach hinten, bei einem teuren Abo kommt er früher. Zwei Dinge fehlen in der Rechnung aber fast immer: die Änderungen, die beim Kauf nach Aufwand abgerechnet werden, und der Relaunch nach einigen Jahren.
Was ist Website-Leasing und worauf musst du achten?
Das Muster taucht seit Jahren immer wieder auf: Ein Vertreter kommt in den Betrieb, zeigt schöne Beispiele, und am Ende steht ein „Internet-System-Vertrag“ mit 36 oder 48 Monaten Laufzeit auf dem Tisch. Oft läuft die Zahlung über eine Leasinggesellschaft.
Was du darüber wissen solltest:
- Du hast als Betrieb kein Widerrufsrecht. Die 14 Tage gelten nur für Verbraucher. Was du im Laden unterschreibst, gilt in der Regel sofort.
- Kündigen geht, wird aber teuer. Der Bundesgerichtshof hat solche Verträge als Werkverträge eingeordnet (Urteil vom 4. März 2010, III ZR 79/09). Du kannst sie deshalb jederzeit kündigen, auch bei 48 Monaten Laufzeit (BGH, 27. Januar 2011, VII ZR 133/10). Der Anbieter behält aber seinen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung, abzüglich dessen, was er durch die Kündigung spart (§ 648 BGB). Die Rechnung muss er nachvollziehbar aufschlüsseln (BGH, 24. März 2011, VII ZR 111/10).
- Bei Leasing zahlst du an die Bank, nicht an den Webdesigner. Die Leasinggesellschaft bezahlt den Anbieter, sobald du die Übernahme oder Abnahme bestätigst. Ist die Website danach schlecht oder der Anbieter verschwunden, laufen die Raten an die Leasinggesellschaft meist trotzdem weiter.
Was passiert mit Domain, Mails und Inhalten, wenn du kündigst?
Das ist die wichtigste Frage bei jedem Mietvertrag, und sie wird selten gestellt. Lass dir vor der Unterschrift schriftlich beantworten:
- Auf wen ist die Domain registriert? Sie sollte auf dich oder deinen Betrieb laufen, nicht auf den Anbieter. Dann kannst du sie bei einer Kündigung mitnehmen, und Kunden finden dich weiter unter derselben Adresse.
- Was kostet der Umzug der Domain? Manche Anbieter verlangen eine Gebühr, das ist nicht unüblich. Es sollte aber vorher im Vertrag stehen.
- Laufen deine E-Mails über den Anbieter? Dann brauchst du beim Wechsel einen neuen Ort für deine Postfächer, sonst kommen Mails ins Leere.
- Bekommst du deine Texte und Fotos zurück? Was du geliefert hast, gehört dir. Das Design und die Technik des Anbieters in der Regel nicht.
Wie ein Wechsel Schritt für Schritt klappt, ohne dass deine Seite oder deine Mails ausfallen, steht in Website-Anbieter wechseln.
Was heißt „Pflege inklusive“ konkret?
„Rundum-Betreuung“ und „Änderungen inklusive“ stehen in fast jedem Angebot. Was dahintersteckt, ist sehr unterschiedlich. Frag nach:
- Was ist enthalten? Hosting, Sicherheitsupdates und Backups sollten selbstverständlich sein. Bei Änderungen kommt es auf Beispiele an: Neue Öffnungszeiten, Urlaubshinweis, ein Foto austauschen, eine Leistung ergänzen?
- Wie schickst du Änderungen? Per Telefon, Mail, WhatsApp oder nur über ein Ticketsystem? Für die meisten Inhaber ist der kürzeste Weg der beste.
- Wie schnell wird geändert? Ein Urlaubshinweis, der erst nach dem Urlaub online geht, bringt nichts.
- Wo ist die Grenze? Ein neuer Bereich oder eine komplett neue Seite kostet bei vielen Anbietern extra. Das ist fair, solange du es vorher weißt.
- Wer hält Impressum und Datenschutz aktuell? Wenn der Anbieter Technik einbaut, sollte er die Datenschutzerklärung passend dazu anpassen.
Ob du überhaupt eine eigene Website brauchst oder ein gepflegtes Google-Profil reicht, klärt dieser Artikel.
