Frisch gegründet: Wie wird mein Betrieb online sichtbar?
Von Leon Düring, Gründer von LokalwendeVeröffentlicht am 7 Min. Lesezeit
Die kurze Antwort
Starte mit dem kostenlosen Google-Unternehmensprofil, sichere dir früh eine eigene Domain samt E-Mail-Adresse und stelle die Website online, sobald der Eröffnungstermin steht – Impressum und Datenschutzerklärung gehören vom ersten Tag dazu. Bezahlte Werbung und tägliches Social Media können dagegen warten: Ein gepflegter Grundauftritt bringt neuen Betrieben mehr als beides.
Der Gewerbeschein liegt auf dem Tisch, der Laden ist angemietet oder der Transporter beschriftet – und jetzt? Zwischen Handwerkskammer, Steuerberater und Einrichtung bleibt der Online-Auftritt bei vielen Gründungen liegen. Dabei suchen deine ersten Kunden dich schon, bevor du aufsperrst.
Die gute Nachricht: Für einen sauberen Online-Start brauchst du weder ein Marketing-Budget noch einen ganzen Monat. Du brauchst die richtige Reihenfolge. Die bekommst du hier – mit dem, was Pflicht ist, was wirken muss und was getrost warten kann.
Womit fange ich an: Google-Profil oder Website?
Mit dem Google-Unternehmensprofil. Es ist kostenlos, in einer halben Stunde angelegt und sorgt dafür, dass dein Betrieb bei Google Maps und in der Suche überhaupt existiert. Trag Name, Adresse, Telefonnummer, Kategorie und Öffnungszeiten ein und lade erste echte Fotos hoch – auch wenn es erst Baustellenfotos sind. Google lässt dich sogar ein Eröffnungsdatum eintragen, damit du schon vor dem ersten Tag gefunden wirst. Was danach aus dem Profil ein gutes Profil macht, steht in Google-Unternehmensprofil optimieren.
Das Profil beantwortet aber nur die Frage „Gibt es den Betrieb?“. Was genau du anbietest, was es ungefähr kostet und wer dahintersteckt – dafür ist dort kaum Platz. Das übernimmt die Website, und beide füttern sich gegenseitig: Google zieht Informationen fürs Profil auch von deiner Website. Warum das Profil allein auf Dauer nicht reicht, habe ich in Brauche ich als kleiner Betrieb eine Website? ehrlich aufgedröselt – inklusive der Fälle, in denen du keine brauchst. Als Gründer gehörst du allerdings fast nie dazu: Du hast noch keine Stammkundschaft, die dich auch so findet.
Was ist vom ersten Tag an Pflicht?
Sobald du geschäftlich im Netz auftrittst, gilt die Impressumspflicht – und zwar nicht erst ab dem ersten Umsatz. Das betrifft deine Website und geschäftlich genutzte Profile bei Instagram oder Facebook. Dazu kommt die Datenschutzerklärung, sobald deine Seite Daten verarbeitet, und das tut praktisch jede.
Die Gewerbeanmeldung selbst, Steuernummer und Versicherungen sind Sache von Gewerbeamt, Finanzamt und deiner Kammer – dafür sind die Gründungsberatungen von IHK und Handwerkskammer die richtigen (und kostenlosen) Anlaufstellen. Hier geht es um den Teil danach: sichtbar werden.
Brauche ich sofort eine eigene Domain und E-Mail-Adresse?
Ja, und zwar früher, als die meisten denken. Eine Domain kostet je nach Endung typischerweise 10 bis 20 € im Jahr und gehört dir – sichere sie dir, sobald der Betriebsname feststeht, selbst wenn die Website erst später kommt. Ist der Name als Domain schon vergeben, willst du das wissen, bevor die Fahrzeugbeschriftung bestellt ist.
Richte dazu gleich eine E-Mail-Adresse auf der eigenen Domain ein. info@malerbetrieb-wagner.de wirkt auf Angebote und Rechnungen deutlich seriöser als eine Gmail- oder GMX-Adresse – und sie steht später auf Visitenkarten, im Impressum und im Google-Profil. Eine Adresse nachträglich zu wechseln, wenn sie überall gedruckt ist, ist mühsam.
Wann ist die Website dran – und was muss drauf?
Sobald dein Eröffnungstermin steht. Deine ersten Kunden googeln dich in dem Moment, in dem sie zum ersten Mal von dir hören – über das Schild am Laden, eine Empfehlung oder den Transporter an der Ampel. Finden sie nichts außer einem halbleeren Google-Profil, ist der erste Eindruck verschenkt.
Für den Start reicht eine kompakte Seite, die die Fragen vor dem Anruf beantwortet:
- Was du anbietest, in den Worten deiner Kunden
- Wo und wann du erreichbar bist
- Telefon und E-Mail, auf dem Handy mit einem Tippen nutzbar
- Wer du bist – gerade als neuer Betrieb macht ein Gesicht den Unterschied, denn Bewertungen hast du ja noch keine
- Impressum und Datenschutzerklärung
Mehr Unterseiten, Referenzfotos und Bewertungen wachsen mit dem Betrieb mit. Was die Wege dorthin kosten – Agentur, Baukasten oder Website-Abo – steht in Was kostet eine Website für einen kleinen Betrieb?, und was in deiner Branche auf die Seite gehört, findest du bei den Branchenseiten.
Was kann am Anfang warten?
Vieles, das sich dringend anfühlt:
- Bezahlte Werbung. Google Ads und gesponserte Posts verbrennen ohne gute Zielseite nur Geld. Erst der Grundauftritt, dann – falls überhaupt nötig – Werbung.
- Tägliches Social Media. Ein reservierter, ordentlicher Kanal reicht. Poste, wenn es etwas zu zeigen gibt, nicht weil ein Ratgeber „Kontinuität“ fordert.
- Bezahlte Branchenbuch-Einträge. Die Anrufe und Formulare kommen nach der Gewerbeanmeldung von ganz allein. Fast alle kannst du ignorieren – manche sind sogar Abzocke, die sich als Google ausgibt: Anruf wegen deines Google-Eintrags?
- Das perfekte Logo. Ein einfacher, sauberer Schriftzug reicht für den Start. Teuer nachbessern kannst du immer noch.
Die ersten 30 Tage: der Fahrplan
Sobald die ersten Aufträge laufen, kommt der wichtigste Baustein, den du nicht kaufen kannst: Bitte zufriedene Kunden um eine Google-Bewertung. Gerade die ersten fünf machen den Unterschied zwischen „kenn ich nicht“ und „sieht gut aus“ – wie du freundlich danach fragst, steht hier.
So bist du in der Woche der Eröffnung das, was die wenigsten neuen Betriebe sind: auffindbar, vollständig und vertrauenswürdig – bevor der erste Euro in Werbung geflossen ist.
