Stellenanzeige schreiben als kleiner Betrieb: Muster, Gehaltsangabe und wo du kostenlos schaltest
Von Leon Düring, Gründer von LokalwendeVeröffentlicht am 7 Min. Lesezeit
Die kurze Antwort
Eine gute Stellenanzeige nennt Beruf mit (m/w/d), Betrieb, Aufgaben, nur die nötigen Anforderungen, was du bietest (am besten mit Gehaltsspanne) und einen einfachen Bewerbungsweg wie Anruf oder WhatsApp. Alter, Geschlecht oder Muttersprache dürfen keine Rolle spielen. Kostenlos schalten kannst du in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit, dazu auf deiner Website und in deinem Google-Profil.
Gute Leute lesen Stellenanzeigen auf dem Handy, oft abends nach der Arbeit, und entscheiden in Sekunden, ob sie weiterlesen. Eine Anzeige für einen kleinen Betrieb muss deshalb vor allem eines: schnell zeigen, was der Job ist, was er bringt und wie man sich meldet. Hier stehen ein Muster zum Abschreiben, die Regeln aus dem Gleichbehandlungsgesetz, der Stand bei der Gehaltsangabe und wo du kostenlos schalten kannst.
Was gehört in eine Stellenanzeige?
Sechs Bausteine reichen, in dieser Reihenfolge:
- Berufsbezeichnung mit „(m/w/d)“, so wie Bewerber danach suchen: „Anlagenmechaniker SHK (m/w/d)“, nicht „Kundendienst-Held“.
- Wer ihr seid, in zwei Sätzen: Betrieb, Ort, wie viele Leute, was ihr macht.
- Was die Person tut, in drei bis fünf Punkten aus dem echten Alltag.
- Was sie mitbringen muss, nur das Nötige. Die Bundesagentur für Arbeit rät in ihren Tipps für Stellenangebote: „Weniger ist mehr“, jede Anforderung grenzt den Kreis der Bewerber ein. Führerschein zum Beispiel nur, wenn er für die Arbeit wirklich nötig ist.
- Was ihr bietet: Arbeitszeiten, Stunden, Gehalt oder Gehaltsspanne, Fahrzeug, Werkzeug, Weiterbildung. Konkret statt „attraktive Vergütung“.
- Wie man sich bewirbt: Telefonnummer, WhatsApp oder Mail, mit Namen der Ansprechperson. Ein Anruf ist die niedrigste Hürde.
Überleg, ob du wirklich einen Lebenslauf brauchst. Wenn dir ein kurzes Gespräch reicht, schreib das dazu.
Muster: Stellenanzeige für einen kleinen Betrieb
Zum Abschreiben und Anpassen. Die eckigen Klammern ersetzt du.
[Beruf] (m/w/d) in [Ort], Vollzeit oder Teilzeit
Wir sind [Betrieb], ein [Handwerksbetrieb/Restaurant/Salon] mit [Zahl] Leuten in [Ort]. Seit [Jahr] machen wir [was ihr macht, ein Satz].
Das machst du bei uns:
- [Aufgabe aus dem Alltag]
- [Aufgabe aus dem Alltag]
- [Aufgabe aus dem Alltag]
Das bringst du mit:
- [Ausbildung oder Erfahrung, nur wenn wirklich nötig]
- [eine weitere echte Anforderung]
Das bekommst du:
- [Gehalt oder Spanne, z. B. „ab X € brutto im Monat“]
- [Arbeitszeiten, z. B. „Mo–Fr 7–16 Uhr, freitags früher Schluss“]
- [Fahrzeug, Werkzeug, Weiterbildung, Zuschläge, was ihr wirklich bietet]
So bewirbst du dich: Ruf [Name] an unter [Nummer] oder schreib per WhatsApp. Ein Lebenslauf ist nicht nötig, wir lernen uns lieber kurz kennen.
So klappt es in deiner Branche
- HandwerkNenn Fahrzeug, Werkzeug und ob die Baustellen in der Region liegen oder weiter weg, also ob man abends zu Hause ist oder auf Montage.
- Gastronomie & BäckereiSchreib, an welchen Tagen und bis wann gearbeitet wird, ob es geteilte Dienste gibt und wie das Trinkgeld verteilt wird. Das klärt Fragen, bevor jemand anruft.
- Beauty & FitnessSag, ob es feste Kundschaft gibt oder Neukunden aufgebaut werden müssen, und welche Weiterbildungen der Salon bezahlt.
- GesundheitFür Praxen: Behandlungsschwerpunkte, Sprechzeiten und ob es Spätdienste oder Samstage gibt, dazu wie die Einarbeitung läuft.
Welche Formulierungen sind verboten?
Eine Stellenanzeige darf laut § 11 AGG niemanden wegen Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Identität ausschließen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes nennt in ihrem Leitfaden „Fair in den Job!“ typische Fehler:
| Problem | Beispiel | Besser |
|---|---|---|
| Nur ein Geschlecht | „Kellnerin gesucht“, „Geschäftsführer gesucht“ | „Servicekraft (m/w/d)“, „Wir suchen Verstärkung im Service“ |
| Nur Mann und Frau | „(m/w)“, „Monteur/-in“ | „(m/w/d)“ |
| Alter | „bis 55 Jahre“, „junge Pflegekräfte“, „junges Team sucht dich“ | Aufgaben und Erfahrung beschreiben, kein Alter |
| Sprache | „Deutsch als Muttersprache“ | „gute Deutschkenntnisse, weil du viel mit Kunden sprichst“ |
Zwei Feinheiten aus dem Leitfaden: Berufserfahrung darfst du verlangen, wenn sie für die Arbeit sachlich nötig ist. Und auch der Fließtext muss passen, nicht nur der Titel. Wer „(m/w/d)“ in die Überschrift schreibt und danach einen „Löwen für den Verkauf“ sucht, hat das Problem nicht gelöst.
Muss das Gehalt in die Stellenanzeige?
Nach geltendem deutschem Recht gibt es dafür bisher keine allgemeine Pflicht. Das ändert sich aber. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie sieht unter anderem einen Anspruch von Bewerbern auf Auskunft über das Einstiegsgehalt oder dessen Spanne vor. So fasst es der Abschlussbericht der Regierungskommission zusammen. Umgesetzt sein sollte die Richtlinie bis zum 7. Juni 2026.
Deutschland hat diese Frist verpasst. Im Juli 2026 schrieb die Bundesregierung, ein Gesetzentwurf werde vorbereitet, einzelne Fragen würden noch geklärt (Bundestagsdrucksache 21/7026). Wie das deutsche Gesetz die Gehaltsangabe genau regelt, steht also noch nicht fest.
Mein Rat: Schreib eine Spanne in die Anzeige, schon heute. Eine Zahl beantwortet die Frage, die sich jeder Bewerber zuerst stellt. Und wenn das Gesetz kommt, musst du nichts umstellen. Den aktuellen Stand prüfe ich bei der nächsten Überarbeitung dieses Artikels.
Wo kannst du eine Stellenanzeige kostenlos schalten?
- Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit. Du brauchst ein Konto, die Zugangsdaten bekommst du beim Arbeitgeber-Service unter der gebührenfreien Nummer 0800 4 555520 (Quelle). Die Veröffentlichung ist kostenlos, so beschreibt es zum Beispiel der Arbeitgeber-Service eines Berliner Jobcenters. Die Anzeige kannst du nach dem Veröffentlichen jederzeit ändern. Wer will, erteilt zusätzlich einen Vermittlungsauftrag, dann sucht die Agentur aktiv mit.
- Deine eigene Website. Eine Seite oder ein Bereich „Wir suchen dich“ mit der Anzeige und einem Anruf-Knopf. Dorthin verlinkst du von überall, auch aus dem Google-Profil.
- Dein Google-Profil. Ein Beitrag mit Foto aus dem Betrieb und Link zur Anzeige. Wie du das Profil pflegst: Google-Unternehmensprofil optimieren.
- Instagram und Facebook. Ein Foto vom echten Team oder der Baustelle, zwei Sätze, Link zur Anzeige. Bitte Mitarbeitende und Stammkunden, den Beitrag zu teilen. Im Bekanntenkreis deiner Leute können gute Bewerber sitzen.
Kostenpflichtige Jobbörsen lohnen sich eher für Stellen, die über diese Wege nicht zu besetzen sind. Probier zuerst die kostenlosen Kanäle, bevor du ein Paket buchst.
Was hilft, wenn sich trotzdem niemand meldet?
- Echte Fotos statt Stockbilder. Team, Werkstatt, Küche. Bewerber wollen sehen, wo sie arbeiten würden. Die Antidiskriminierungsstelle rät dabei, mit den Bildern zu zeigen, dass jede qualifizierte Bewerbung willkommen ist.
- Schnell antworten. Je länger eine Bewerbung liegt, desto eher sagt die Person woanders zu. Melde dich am selben oder am nächsten Tag.
- Den Weg kurz halten. Anruf, WhatsApp oder ein Formular mit drei Feldern. Jede zusätzliche Hürde kostet Bewerbungen.
- Gefunden werden. Wer neugierig geworden ist, sucht deinen Betrieb im Netz. Findet er dort nur einen veralteten Eintrag, bleibt wenig, was überzeugt. Ob sich eine eigene Seite für dich lohnt: Brauche ich als kleiner Betrieb eine Website?.
